Hybride Angriffe unterhalb der Eskalationsschwelle
Ferdinand beleuchtete zunächst die Natur des hybriden Krieges. Er sei zwar in aller Munde, lasse sich aber am besten durch die Beschreibung seiner Angriffsvektoren verstehen. Dazu zählten Cyberangriffe, Desinformationskampagnen, Spionage- und Sabotageakte sowie wirtschaftliche Druckmaßnahmen. Der Referent führte aus, eine große Besonderheit dieses Konflikttyps sei, dass er stets unterhalb der Schwelle einer militärischen Eskalation geführt werde. Dies erlaube dem hybriden Akteur, oft nebulös zu bleiben und sich zu verschleiern, was die Entdeckung erschwere.
Ein vollumfänglicher Angriff würde sich auf den gesamten Alltag auswirken, vom Gesundheitswesen über den Straßenverkehr bis hin zu Universitäten und Schulen. Resilienz gelinge daher nur, wenn Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft die Verantwortung für die Gesamtverteidigung gemeinsam übernähmen.
Die Rolle der Gesellschaft stärken
Um diese Resilienz zu erhöhen, sieht Ferdinand dringenden Handlungsbedarf und wies auf die nordischen Partner hin. Er betonte, Deutschland könne von Finnland und Schweden „sehr, sehr viel lernen“:
Finnland integriere seine Gesellschaft viel stärker in die Sicherheitsvorkehrungen. Beispielsweise gebe es Verteidigungskurse, in denen Multiplikatoren sicherheitspolitische Schulungen erhielten, was ihnen klarmache, welchen konkreten Beitrag sie zur Resilienz der Nation leisten könnten.
Schweden nutze eine Bereitschaftswoche, um alle Bürger über Warnungen, die Sicherheitslage und die Bedeutung der eigenen Vorsorge aufzuklären.
Als sofort umsetzbare politische Maßnahmen schlagt Ferdinand vor, die InfoDVag und BAKS Kernseminare auszuweiten, um sicherheitspolitische Kurse für die Gesamtverteidigung anzubieten. Ebenso sollte die NINA-Warnapp zu einer umfassenden zivilen Schutzapp ausgebaut werden, die Informationen zu Schutzräumen, Katastrophenschutz und den Umgang mit Desinformation integriere.
Das Ehrenamt als größte Stärke
Zum Abschluss des Abends betonte Ferdinand, dass Deutschland bereits ein riesen starkes Ehrenamt besitze, was „uns keiner nehmen“ könne. Dieses Engagement in Blaulichtorganisationen, im THW, bei den Maltesern und in der Reserve sei ein extrem starkes Fundament und eine der größten Stärken des Landes. Man müsse es lediglich schaffen, dieses Netzwerk besser zu verknüpfen.
Die zahlreichen Fragen aus dem Publikum, die unter anderem die Gefahr innerer Destabilisierungsversuche und die individuelle Krisenvorsorge betrafen, verdeutlichten das große Interesse an der Thematik. Die FAUST-Fachgruppe bedankt sich ganz herzlich bei Ferdinand Gehringer für die klaren Analysen, die zeigten, dass die Frage der Resilienz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und längst kein Nischenthema mehr sei.



