Vortragsveranstaltungen der HSG FAUST im November 2013

"Silberkugel oder Bumerang" mit Dr. Niklas Schörnig (HSFK) und "Krieg im Internet?" mit Stefan Schumacher (Magdeburger Institut für Sicherheitsforschung)

Am 6. November sprach Dr. Niklas Schörnig auf Einladung der Fachgruppe für außen- und sicherheitspolitische Themen (FAUST) an der Goethe-Universität Frankfurt am Main über Chancen, Potentiale und Probleme bewaffneter Kampfdrohnen.

 

Dr. Schörnig ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektleiter an der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und gilt als einer der renommiertesten Politikwissenschaftler Deutschlands auf dem Fachgebiet moderner Rüstungstechnologie und automatisierter Kriegsführung.

 

Ausgehend von der aktuellen Drohnendebatte und den gegenwärtigen Einsatzmöglichkeiten bewaffneter unbemannter Luftfahrzeuge zeigte Schörnig anhand Martin Shaws Theorem des „New Western Way of War“ die speziellen Einsatzvorteile von bewaffneter Drohnen für westliche Demokratien auf. Deren Gesellschaften stellen immer höhere Legitimationsansprüche an Militäreinsatze. Da der Tod eigener Soldaten nicht mehr als „heroisch“ wahrgenommen wird, erschwert dies seine Rechtfertigung vor der eigenen Bevölkerung.

 

Auch vor dem Hintergrund des Völkerrechts scheint der Einsatz von Drohnen in einem Krieg prinzipiell vorteilhaft, da die unbemannte Technologie zur Vermeidung ziviler Opfer beitragen kann. Zu den aktuellen Drohneneinsätzen der Vereinigten Staaten im „Krieg gegen den Terror“ äußerte Schörnig jedoch starke Bedenken, da diese außerhalb eines Krieges im Sinne des Völkerrechts stattfinden. Jedoch werde in Ermangelung internationaler Kritik an diesem Vorgehen durchaus neues Völkergewohnheitsrecht etabliert, welches sich eines Tages andere drohnenproduzierende Staaten wie China oder Russland zunutze machen könnten.

 

Weitere Bedenken äußerte Schörnig hinsichtlich der technologischen Dimension. So würden steigende Geschwindigkeiten und Reichweiten würden aufgrund der notwendigen Reaktionsschnelligkeit und langer Signalübertragungswege eine stärkere Automatisierung der Drohnen notwendig machen. Diese sei jedoch aus ethischen Gründen höchst umstritten und werde, da sie eine Abgabe von Kontrolle darstellt, seitens vieler Streitkräfteangehöriger sehr kritisch betrachtet. . Dass der Schritt zur automatisierten Waffe gegangen werden wird, hält Schörnig dennoch für nahezu unvermeidlich. Als einzige Möglichkeit zur Verhinderung dieses Szenarios nannte er die baldige Etablierung einer internationalen Norm zur Ächtung vollautomatisierter Waffensysteme.

 

Zum Weiterlesen:

http://www.hsfk.de/Publikationen.9.0.html?&no_cache=1&detail=4537&cHash=1c4f95d67d

 

Am 14. November sprach Stefan Schumacher, geschäftsführender Direktor des Magdeburger Instituts für Sicherheitsforschung über die Potentiale und Gefahren von Cyberwar im 21. Jahrhundert.

 

Schumacher diskutierte ausgehend von einer etymologischen Analyse des Begriffs „Cyberwar“ und der Clausewitz’schen Kriegsdefinition die Frage, inwieweit sich der Cyberspace zur modernen Kriegsführung eigne. Dabei zeigte er die aktuellen technischen Möglichkeiten von Cyberattacken auf. Aus Schumachers Sicht sei, obwohl die Cyberdimension Eingang in heutige Sicherheitsdebatten gefunden habe, nicht hinreichend definiert, worin genau die politischen Zielsetzungen internationaler Cyberattacken lägen, sodass es vorschnell sei, tatsächlich von einem Krieg im Internet zu sprechen. 

 

In der anschließenden Diskussion ging der Referent auf zahlreiche Nachfragen etwa zum Stuxnet-Virus ein und stellte die Anfälligkeit der gegenwärtigen und geplanten Netzinfrastruktur vor etwaigen Cyberattacken heraus.

 

Zum Weiterlesen:

www.sicherheitsforschung-magdeburg.de/uploads/journal/MJS-018.pdf